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Brutto und Netto – warum vom Gehalt nicht alles auf dem Konto ankommt

Arbeit & Geld · 01.11.2026 · ca. 16 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Brutto ist das Gehalt aus dem Arbeitsvertrag – bevor etwas abgezogen wird.
  • Davon gehen Steuern und Beiträge zur Sozialversicherung ab.
  • Was übrig bleibt, ist netto: das Geld, das wirklich auf Ihr Konto kommt.
  • Brutto − Abzüge = Netto

Brutto: die Zahl im Arbeitsvertrag

In Stellenanzeigen und im Arbeitsvertrag steht fast immer das Bruttogehalt. Das ist der Betrag, den Sie für Ihre Arbeit verdienen – bevor Steuern und Versicherungen abgezogen werden.

Das Brutto ist also der Startpunkt der Rechnung. Es ist aber nicht das Geld, das Sie am Ende ausgeben können.

Was wird abgezogen?

Von Brutto zu Netto, Beispiel Anna mit Steuerklasse I: Von 2.500 Euro brutto gehen ungefähr 540 Euro für die Sozialversicherung und ungefähr 190 Euro Lohnsteuer ab. Es bleiben ungefähr 1.770 Euro netto, rund 70 Prozent. Netto ist das Geld, das auf Ihr Konto kommt.

Bevor das Gehalt ausgezahlt wird, zieht der Arbeitgeber zwei Dinge ab:

  1. Steuern – Geld für den Staat, vor allem die Lohnsteuer.
  2. Beiträge zur Sozialversicherung – Geld für Versicherungen, die Sie schützen.

Diese Abzüge sind gesetzlich geregelt und gelten für alle Arbeitnehmer.

Die vier wichtigsten Sozialversicherungen

Versicherung Wofür?
Krankenversicherung Arzt, Krankenhaus, Medikamente. Krankengeld, wenn man länger als 6 Wochen krank ist.
Rentenversicherung Rente im Alter. Auch Geld, wenn man wegen Krankheit nicht mehr arbeiten kann.
Pflegeversicherung Hilfe und Geld, wenn man pflegebedürftig wird, z. B. im Alter oder nach einem Unfall.
Arbeitslosenversicherung Arbeitslosengeld, wenn man den Job verliert. Auch Beratung und Weiterbildung durch die Agentur für Arbeit.

Es gibt noch eine fünfte: die Unfallversicherung (Unfälle bei der Arbeit oder auf dem Weg zur Arbeit). Sie zahlt der Arbeitgeber allein – deshalb sehen Sie sie nicht auf Ihrer Gehaltsabrechnung.

Wer zahlt die Beiträge?

Nicht nur Sie. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen Beiträge zur Sozialversicherung:

  • Meistens teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Beiträge ungefähr je zur Hälfte. Ihr Teil ist zusammen etwa ein Fünftel (rund 21 %) Ihres Bruttogehalts.
  • Ausnahme 1: Wer keine Kinder hat und mindestens 23 Jahre alt ist, zahlt bei der Pflegeversicherung einen kleinen Zuschlag allein.
  • Ausnahme 2: In Sachsen zahlen Arbeitnehmer bei der Pflegeversicherung mehr als der Arbeitgeber.

Netto: das Geld für den Alltag

Nach allen Abzügen bleibt das Nettogehalt übrig. Das ist der Betrag, der wirklich auf Ihr Bankkonto kommt.

Über dieses Geld können Sie frei verfügen – Sie entscheiden selbst, wofür Sie es ausgeben. Davon bezahlen Sie Ihre Lebenshaltungskosten: Miete, Lebensmittel, Strom, Kleidung, Handy und Freizeit.

Ein Beispiel

Rechenbeispiel (Stand 2026, gerundet, ohne Gewähr)

Anna ist 30, ledig, hat keine Kinder, ist nicht in der Kirche und gesetzlich krankenversichert. Sie hat Steuerklasse I und verdient 2.500 € brutto im Monat.

pro Monat
Bruttogehalt 2.500 €
− Sozialversicherung (Annas Teil) ca. 540 €
− Lohnsteuer ca. 190 €
= Nettogehalt ca. 1.770 €

Von ihrem Brutto bleiben Anna also rund 70 %. Der Arbeitgeber zahlt zusätzlich gut 500 € für Annas Sozialversicherung. Annas Arbeitsplatz kostet die Firma also über 3.000 € im Monat.

Warum ist das Netto nicht bei allen gleich?

Wie groß der Unterschied zwischen Brutto und Netto ist, hängt von mehreren Dingen ab:

  • Kinder: Mit Kindern zahlt man weniger für die Pflegeversicherung.
  • Kirchensteuer: 8 % der Lohnsteuer in Bayern und Baden-Württemberg, 9 % in allen anderen Bundesländern.
  • Krankenkasse: Jede gesetzliche Krankenkasse nimmt einen eigenen Zusatzbeitrag. Darum kann ein Wechsel der Kasse das Netto ein bisschen erhöhen.

Steuerklassen

In Deutschland gibt es 6 Steuerklassen:

Klasse Für wen?
I Alleinstehende: ledig, geschieden oder getrennt lebend
II Alleinerziehende
III Verheiratete: der Partner mit dem höheren Einkommen (der andere hat dann V)
IV Verheiratete mit ungefähr gleichem Einkommen
V Verheiratete: der Partner mit dem niedrigeren Einkommen (passt zu III)
VI für einen zweiten Job oder weitere Jobs

Tipps für die Jobsuche

Das müssen Sie in einen Brutto-Netto-Rechner meistens eingeben:

  • Bruttogehalt (pro Monat oder pro Jahr)
  • Steuerklasse
  • Bundesland
  • Kirchensteuer: ja oder nein
  • Kinder: ja oder nein, wie viele
  • Alter bzw. Geburtsjahr
  • Krankenversicherung: gesetzlich oder privat (und den Zusatzbeitrag Ihrer Krankenkasse)

Außerdem:

  • Stellenanzeigen genau lesen: Ist die Zahl pro Monat oder pro Jahr? Ist es ein Stundenlohn? Gibt es 12 oder 13 Gehälter?
  • Jobs mit dem Netto vergleichen, nicht mit dem Brutto.
  • Gehaltsabrechnung prüfen: Jeden Monat bekommen Sie eine Abrechnung. Dort stehen das Brutto, jeder einzelne Abzug und das Netto.

Wozu das alles?

Abzüge sind ärgerlich – aber sie haben einen Sinn. Mit Steuern und Sozialversicherung werden zum Beispiel das Gesundheitssystem, die Renten, das Arbeitslosengeld und die Pflege bezahlt.

Alle zahlen ein, solange sie arbeiten. Dafür bekommen alle Hilfe, wenn sie krank, arbeitslos, pflegebedürftig oder alt sind. So sichern sich die Menschen in der Gesellschaft gemeinsam ab.

Wörter

die Stellenanzeige, die Stellenanzeigen
Eine Anzeige, in der eine Firma eine freie Stelle anbietet. Ich habe eine interessante Stellenanzeige gefunden.
das Bruttogehalt und das Nettogehalt
Das Gehalt vor allen Abzügen (brutto) und nach allen Abzügen (netto).
der Abzug, die Abzüge
Geld, das vom Gehalt weggenommen wird. Das Verb heißt abziehen (er zieht ab, er hat abgezogen). Vom Brutto werden Steuern abgezogen.
der Beitrag, die Beiträge
Geld, das man regelmäßig für eine Versicherung (oder einen Verein) bezahlt. der Beitrag zur Krankenversicherung
die Sozialversicherung
Die gesetzlichen Versicherungen, die Menschen bei Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Arbeitslosigkeit und im Alter schützen.
ebenfalls
= auch, genauso. Der Arbeitgeber zahlt ebenfalls Beiträge. = Der Arbeitgeber zahlt auch Beiträge.
gelten (es gilt, es galt, es hat gegolten)
Gültig sein; eine Regel betrifft jemanden. Die Regeln gelten für alle Arbeitnehmer. = Die Regeln sind für alle Arbeitnehmer gültig.
der Arbeitnehmer / die Arbeitnehmerin
Eine Person, die für eine Firma arbeitet und dafür Gehalt bekommt.
der Arbeitgeber / die Arbeitgeberin
Die Firma oder Person, die Menschen beschäftigt und das Gehalt bezahlt.
über etwas verfügen
Frei entscheiden, was man mit etwas macht. Über das Netto können Sie frei verfügen.
die Lebenshaltungskosten (nur Plural)
Das Geld, das man für das tägliche Leben braucht: Miete, Essen, Strom, Kleidung.
die Steuerklasse, die Steuerklassen
Eine von sechs Gruppen (I bis VI). Sie bestimmt, wie viel Lohnsteuer jeden Monat abgezogen wird.
der Brutto-Netto-Rechner
Ein Programm im Internet, das aus dem Brutto ungefähr das Netto ausrechnet.

Fragen zum Text

Tippen Sie auf eine Frage, um die Antwort zu sehen.

Verständnis

Was versteht man unter Bruttogehalt?

Das Gehalt, das im Arbeitsvertrag steht – bevor Steuern und Sozialversicherung abgezogen werden. Es ist der Startpunkt der Rechnung.

Was ist das Nettogehalt?

Der Betrag, der nach allen Abzügen übrig bleibt und wirklich auf dem Bankkonto ankommt.

Warum ist das Nettogehalt niedriger als das Bruttogehalt?

Weil vom Brutto Steuern und Beiträge zur Sozialversicherung abgezogen werden.

Welche vier Sozialversicherungen werden im Text genannt?

Krankenversicherung, Rentenversicherung, Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung.

Welche Faktoren beeinflussen, wie hoch das Nettogehalt ist?

Zum Beispiel die Steuerklasse, das Bundesland, der Familienstand, die Höhe des Einkommens, die Mitgliedschaft in einer Kirche und ob man gesetzlich oder privat krankenversichert ist.

Wer zahlt außer dem Arbeitnehmer ebenfalls Beiträge zur Sozialversicherung?

Der Arbeitgeber.

Nachdenken und anwenden

Hier gibt es keine einzige richtige Antwort. Die Hinweise helfen beim Nachdenken.

Warum sind Sozialversicherungen für Arbeitnehmer wichtig?

Sie schützen bei Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Arbeitslosigkeit und im Alter. Ohne sie müsste man zum Beispiel Arzt und Krankenhaus selbst bezahlen – das kann sehr teuer werden.

Warum ist es sinnvoll, vor einer Bewerbung das ungefähre Netto zu berechnen?

So wissen Sie, wie viel Geld Sie wirklich haben werden. Sie können prüfen, ob Miete und Lebenshaltungskosten bezahlbar sind, und Angebote besser vergleichen.

Was würden Sie tun, wenn Ihnen eine Firma ein hohes Bruttogehalt anbietet?

Nicht sofort zusagen. Zuerst das Netto ausrechnen und klären: pro Monat oder pro Jahr? Wie viele Stunden pro Woche? Dann in Ruhe entscheiden.

Warum vergleichen viele Menschen eher das Netto als das Brutto?

Weil man vom Netto lebt: Miete und Einkäufe bezahlt man mit dem Geld, das wirklich auf dem Konto ankommt.

Wortschatz

Erklären Sie den Unterschied zwischen Brutto und Netto in eigenen Worten.

Zum Beispiel: „Brutto ist alles, was ich verdiene. Netto ist das, was nach Steuern und Versicherungen übrig bleibt und auf mein Konto kommt.“

Was bedeuten „Abzüge“ und „Sozialversicherung“?

Siehe Wörter.

Suchen Sie zwei weitere wichtige Wörter zum Thema Arbeit oder Gehalt.

Vorschläge: der Arbeitsvertrag, die Lebenshaltungskosten, die Steuerklasse, der Beitrag.

Recherche

Was muss man in einen Brutto-Netto-Rechner eingeben?

Siehe Tipps für die Jobsuche.

Wofür sind die vier Sozialversicherungen da?

Siehe die Tabelle unter Die vier wichtigsten Sozialversicherungen.

Wie werden die Beiträge zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgeteilt?

Meistens ungefähr je zur Hälfte. Ausnahmen: siehe Wer zahlt die Beiträge?

Wie viele Steuerklassen gibt es? Für wen ist Steuerklasse I?

Es gibt 6 Steuerklassen. Klasse I ist für Alleinstehende: ledig, geschieden oder getrennt lebend. Siehe Steuerklassen.

Quiz

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Quellen

Stichwörter

Grundlage: Arbeitsblatt aus dem Kurs (Text und Fragen, 2 Seiten). Der Inhalt ist in eigenen Worten erklärt. Kästen mit „Ergänzung“ enthalten zusätzliche Informationen (Stand 2026, ohne Gewähr). Keine Rechtsberatung.

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