Artikel › Arbeitsrecht

Arbeitszeit und Pausen: Was das Gesetz vorschreibt

Arbeitsrecht · 01.11.2026 · ca. 14 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Pro Werktag (Montag bis Samstag) arbeiten Sie höchstens 8 Stunden – also höchstens 48 Stunden pro Woche.
  • 10 Stunden am Tag sind nur erlaubt, wenn es im Durchschnitt von 6 Monaten wieder 8 Stunden sind.
  • Nach Feierabend haben Sie mindestens 11 Stunden Ruhe.
  • Pausen: mehr als 6 Stunden Arbeit → 30 Minuten, mehr als 9 Stunden → 45 Minuten. Pausen werden meistens nicht bezahlt.
  • Sonntagsarbeit ist grundsätzlich verboten – mit Ausnahmen und einem freien Ersatztag.

Warum gibt es das Arbeitszeitgesetz?

Im deutschen Arbeitsrecht ist der Schutz der Gesundheit besonders wichtig. Darum gibt es das Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Es legt fest, wie lange man höchstens arbeiten darf. So sollen Arbeitnehmer nicht krank werden, weil sie zu viel arbeiten (Überlastung).

Viele denken: „Wenn ich dafür bezahlt werde, darf ich so viel arbeiten, wie ich will.“ Das stimmt nicht. Die Grenzen gelten für beide Seiten – der Arbeitgeber muss sie einhalten und der Arbeitnehmer auch.

Wie lange darf man arbeiten?

Wie lange darf man arbeiten? Normal höchstens 8 Stunden am Tag. Bis zu 10 Stunden nur mit Ausgleich: Im Durchschnitt von 6 Monaten müssen es wieder 8 Stunden sein. Höchstens 48 Stunden pro Woche, Montag bis Samstag. Nach Feierabend mindestens 11 Stunden Ruhe: Wer um 22 Uhr Feierabend hat, darf frühestens um 9 Uhr wieder anfangen.

Bis zu 10 Stunden an einem Tag sind erlaubt – aber nur, wenn man in 6 Monaten (oder 24 Wochen) im Durchschnitt wieder auf 8 Stunden pro Werktag kommt. Diese Zeit heißt Ausgleichszeitraum. Wer also an einigen Tagen 10 Stunden arbeitet, muss an anderen Tagen weniger arbeiten.

Ruhezeit nach Feierabend

Nach dem Feierabend müssen Sie mindestens 11 Stunden ohne Unterbrechung frei haben. Erst dann darf die Arbeit am nächsten Tag beginnen.

  • Beispiel: Feierabend um 22 Uhr → Arbeitsbeginn am nächsten Tag frühestens um 9 Uhr.
  • In manchen Branchen, z. B. in Krankenhäusern, in der Pflege oder in Restaurants und Hotels, darf die Ruhezeit auf 10 Stunden verkürzt werden. Das muss dann später mit längeren Ruhezeiten ausgeglichen werden.

Pausen

Arbeitszeit am Tag Pause mindestens
bis 6 Stunden keine Pflicht-Pause
mehr als 6 bis 9 Stunden 30 Minuten
mehr als 9 Stunden 45 Minuten

Pausen: Bis 6 Stunden Arbeit gibt es keine Pflicht-Pause. Bei mehr als 6 Stunden mindestens 30 Minuten Pause, bei mehr als 9 Stunden mindestens 45 Minuten. Die Pause liegt mitten in der Arbeitszeit und wird meistens nicht bezahlt.

Wichtig:

  • Die Pause darf man aufteilen – jeder Teil muss aber mindestens 15 Minuten lang sein (z. B. 2 × 15 Minuten).
  • Niemand darf länger als 6 Stunden am Stück ohne Pause arbeiten.
  • Für Jugendliche unter 18 Jahren gelten strengere Regeln (Jugendarbeitsschutzgesetz): zum Beispiel 30 Minuten Pause schon bei mehr als 4,5 Stunden Arbeit.

Überstunden

Überstunden sind Stunden, die Sie mehr arbeiten, als im Arbeitsvertrag steht.

  • Tipp: Schreiben Sie Ihre Überstunden auf – Datum, Beginn, Ende, Pause. Bei Streit müssen Sie die Überstunden oft beweisen.
  • Seit einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (2022) müssen Arbeitgeber die Arbeitszeit erfassen.
  • Bei sehr hohen Gehältern kann die Regel „mit dem Gehalt abgegolten“ gültig sein.

Nachtarbeit, Schichtarbeit und Sonntage

Nachtarbeit ist anstrengender für den Körper. Deshalb haben Nachtarbeiter Anspruch auf einen Ausgleich:

Sonntagsarbeit ist in Deutschland grundsätzlich verboten (§ 9 ArbZG). Es gibt aber Ausnahmen, zum Beispiel in der Gastronomie, im Gesundheitswesen und bei Rettungsdiensten.

Wer am Sonntag arbeitet, muss einen Ersatzruhetag bekommen – also einen anderen freien Tag, und zwar innerhalb von 2 Wochen.

  • Nachtzeit ist nach dem Gesetz die Zeit von 23 bis 6 Uhr.
  • Auch wer sonntags arbeiten darf, muss mindestens 15 Sonntage im Jahr frei haben.
  • Für Arbeit an einem Feiertag gibt es ebenfalls einen Ersatzruhetag – innerhalb von 8 Wochen.

Wer kontrolliert das?

Ob die Regeln eingehalten werden, kontrollieren die Gewerbeaufsichtsämter. Verstöße sind keine Kleinigkeit:

  • Ein Bußgeld kann bis zu 30.000 Euro hoch sein.
  • Wenn Sie Probleme haben: Sprechen Sie mit dem Betriebsrat (wenn es einen gibt) oder mit Ihrer Gewerkschaft. Sie können sich auch direkt an das Gewerbeaufsichtsamt wenden.

Wörter

das Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
Das Gesetz, das regelt, wie lange und wann man arbeiten darf.
die Überlastung
Zu viel Arbeit oder Druck, sodass man müde oder krank wird. Das Gesetz schützt vor Überlastung.
der Werktag, die Werktage
Montag bis Samstag. Sonntag und Feiertage sind keine Werktage.
die Ausweitung
Das Größer- oder Längermachen. Eine Ausweitung der Arbeitszeit auf 10 Stunden = die Arbeitszeit wird auf 10 Stunden verlängert.
zulässig
= erlaubt. 10 Stunden sind nur unter einer Bedingung zulässig.
der Ausgleichszeitraum
Die Zeit (6 Monate oder 24 Wochen), in der man im Durchschnitt wieder auf 8 Stunden pro Werktag kommen muss.
der Feierabend
Das Ende der Arbeit am Tag. Nach Feierabend gehe ich nach Hause.
die Ruhezeit
Die freie Zeit zwischen zwei Arbeitstagen – mindestens 11 Stunden.
die Ruhepause, die Ruhepausen
Die Pause während der Arbeit, zum Erholen.
Anspruch haben auf etwas
Ein Recht auf etwas haben. Sie haben Anspruch auf eine Pause = Sie dürfen eine Pause verlangen.
die Überstunde, die Überstunden
Eine Stunde, die man mehr arbeitet, als im Arbeitsvertrag steht.
der Freizeitausgleich
Statt Geld bekommt man für Überstunden freie Zeit.
der Tarifvertrag, die Tarifverträge
Ein Vertrag zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern mit Regeln für viele Arbeitnehmer, z. B. zu Lohn und Arbeitszeit.
der Lohnzuschlag, die Lohnzuschläge
Zusätzliches Geld, z. B. für Arbeit in der Nacht oder am Sonntag.
der Ersatzruhetag
Ein freier Tag als Ausgleich für Arbeit am Sonntag oder Feiertag.
das Gewerbeaufsichtsamt
Eine Behörde, die kontrolliert, ob Firmen die Regeln zum Schutz der Arbeitnehmer einhalten.
das Bußgeld, die Bußgelder
Geld, das man als Strafe bezahlen muss.

Fragen zum Text

Tippen Sie auf eine Frage, um die Antwort zu sehen.

Verständnis

Was ist das Hauptziel des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG)?

Der Schutz der Gesundheit: Arbeitnehmer sollen nicht überlastet werden.

Wie viele Stunden darf man regulär pro Werktag arbeiten? Welche Tage sind Werktage?

8 Stunden. Werktage sind Montag bis Samstag.

Unter welcher Bedingung darf man 10 Stunden am Tag arbeiten?

Wenn man im Durchschnitt von 6 Monaten (oder 24 Wochen) wieder auf 8 Stunden pro Werktag kommt.

Wie lange muss die Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen mindestens sein?

11 Stunden ohne Unterbrechung.

Ab wann ist eine Pause von 30 Minuten Pflicht? Was gilt ab 9 Stunden?

Bei mehr als 6 Stunden Arbeit: 30 Minuten. Bei mehr als 9 Stunden: 45 Minuten.

Darf man die Pause an das Ende legen, um früher nach Hause zu gehen?

Nein. Die Pause ist zum Erholen während der Arbeit da. Sie darf nicht am Anfang oder am Ende der Arbeitszeit liegen.

Wann muss ein Arbeitnehmer Überstunden machen?

Wenn es im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag steht – oder in einem Notfall.

Wie werden Überstunden normalerweise ausgeglichen?

Mit Geld (Bezahlung) oder mit freier Zeit (Freizeitausgleich).

Was muss der Arbeitgeber geben, wenn jemand am Sonntag arbeitet?

Einen Ersatzruhetag – einen anderen freien Tag innerhalb von 2 Wochen.

Richtig oder falsch?

Die Wochenarbeitszeit ist laut Gesetz höchstens 40 Stunden.

Falsch. Höchstens 48 Stunden (6 Werktage × 8 Stunden).

Pausen werden meistens wie Arbeitszeit bezahlt.

Falsch. Pausen zählen meistens nicht zur Arbeitszeit und werden nicht bezahlt.

Nach der Arbeit müssen mindestens 11 Stunden Ruhezeit folgen.

Richtig.

Wer 5 Stunden arbeitet, hat schon Anspruch auf 15 Minuten Pause.

Falsch. Eine Pause ist erst bei mehr als 6 Stunden Pflicht (für Erwachsene).

Sonntagsarbeit ist in Deutschland für alle Berufe erlaubt.

Falsch. Sonntagsarbeit ist grundsätzlich verboten – nur einige Branchen sind Ausnahmen, z. B. Gastronomie, Gesundheitswesen, Rettungsdienst.

Regeln wie „Alle Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten“ sind oft ungültig.

Richtig. Bei normalen Einkommen sind solche pauschalen Regeln meistens unwirksam.

Quiz

10 Fragen mit je einer richtigen Antwort. Fragen und Antworten werden jedes Mal neu gemischt. Ihre Antworten werden nirgends gespeichert.

Quellen

Stichwörter

Mehr zum Thema „Arbeitsrecht“

Alle Artikel zum Thema

Grundlage: Arbeitsblatt aus dem Kurs (Text und Fragen, 2 Seiten). Der Inhalt ist in eigenen Worten erklärt. Kästen mit „Ergänzung“ enthalten zusätzliche Informationen (Stand 2026, ohne Gewähr). Keine Rechtsberatung.

Hinweis: Diese Website ist nur zum Lesen und Lernen da. Kein Konto, keine Cookies, kein Tracking. Mehr dazu