Kurz gesagt
- Eine Gewerkschaft ist eine Organisation von Arbeitnehmern.
- Sie vertritt ihre gemeinsamen Interessen gegenüber den Arbeitgebern: faire Löhne, gute Arbeitsbedingungen, geregelte Arbeitszeiten.
- Gewerkschaften verhandeln mit Arbeitgebern und schließen Tarifverträge.
- Wenn Verhandlungen nicht helfen, können sie zum Streik aufrufen.
- Mitglieder bekommen Beratung und Unterstützung.
Was ist eine Gewerkschaft?
Eine Gewerkschaft ist ein Zusammenschluss von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Sie vertritt die gemeinsamen Interessen der Beschäftigten gegenüber den Arbeitgebern. Es geht zum Beispiel um:
- faire Löhne,
- gute Arbeitsbedingungen,
- geregelte Arbeitszeiten,
- Mitbestimmung im Betrieb.
- Das Recht, eine Gewerkschaft zu gründen oder in eine Gewerkschaft einzutreten, steht im Grundgesetz (Artikel 9 Absatz 3). Es heißt Koalitionsfreiheit und gilt für alle Menschen und alle Berufe.
- Der Arbeitgeber darf Ihnen die Mitgliedschaft nicht verbieten. Absprachen, die dieses Recht einschränken, sind ungültig.
- Die Mitgliedschaft ist freiwillig.
Warum gibt es Gewerkschaften?
Eine einzelne Person hat oft wenig Einfluss, wenn sie mit dem Arbeitgeber verhandelt. Viele Beschäftigte gemeinsam sind viel stärker.
Darum verhandeln Gewerkschaften für ihre Mitglieder mit Arbeitgebern oder mit Arbeitgeberverbänden (Zusammenschlüssen von Firmen).
Die Ziele
- Faire Bezahlung: gerechte Löhne und Gehälter.
- Gute Arbeitszeiten: klare Regeln für Arbeitszeit, Pausen und Erholung.
- Sichere Arbeitsplätze: Schutz der Gesundheit bei der Arbeit.
- Mitbestimmung: Die Beschäftigten reden im Betrieb mit.
Wie arbeiten Gewerkschaften?
1. Verhandeln
Gewerkschaften verhandeln mit den Arbeitgebern über Lohn, Arbeitszeit und Urlaub. Das Ergebnis ist oft ein Tarifvertrag. Ein Tarifvertrag ist verbindlich für alle, für die er gilt.
- Nach dem Gesetz gilt ein Tarifvertrag für die Mitglieder der Gewerkschaft – und für Arbeitgeber, die selbst unterschrieben haben oder im Arbeitgeberverband sind.
- Viele Arbeitgeber wenden den Tarifvertrag aber für alle Beschäftigten an. Dann steht im Arbeitsvertrag zum Beispiel: „Es gilt der Tarifvertrag …“. Schauen Sie in Ihren Vertrag.
2. Gemeinsam Druck machen
Wenn die Verhandlungen keinen Erfolg haben, können Gewerkschaften Druck machen. Unter bestimmten rechtlichen Voraussetzungen dürfen sie zum Streik aufrufen: Die Beschäftigten legen die Arbeit für eine Zeit nieder.
Der Streik ist ein wichtiges Mittel – aber nicht das einzige.
- Ein Streik ist nur erlaubt, wenn eine Gewerkschaft dazu aufruft und es um Ziele für einen Tarifvertrag geht. Solange ein Tarifvertrag gilt, gibt es meistens keine Streiks zu den Themen darin (Friedenspflicht).
- Ein Warnstreik ist ein kurzer Streik während der Verhandlungen.
- Während eines Streiks zahlt der Arbeitgeber keinen Lohn. Gewerkschaftsmitglieder bekommen dann Streikgeld von ihrer Gewerkschaft.
- Für die Teilnahme an einem erlaubten Streik darf der Arbeitgeber Sie nicht bestrafen – keine Abmahnung, keine Kündigung.
- Beamtinnen und Beamte dürfen in Deutschland nicht streiken.
3. Beraten und unterstützen
Gewerkschaften beraten ihre Mitglieder und helfen bei Fragen und Problemen, zum Beispiel bei:
- der Bezahlung,
- der Arbeitszeit,
- einer Kündigung.
- Mitglieder bekommen oft kostenlosen Rechtsschutz: Die Gewerkschaft hilft und vertritt sie, wenn es Streit mit dem Arbeitgeber gibt – auch vor dem Arbeitsgericht.
- Der Mitgliedsbeitrag ist meistens 1 Prozent vom Bruttolohn im Monat. Wer weniger verdient, zahlt weniger. Für Arbeitslose, Rentner und Studierende gibt es günstigere Beiträge.
Welche Gewerkschaften gibt es?
Es gibt Gewerkschaften für verschiedene Branchen und Berufe, zum Beispiel für:
- Bahn und Verkehr,
- den Bau,
- Metall und Elektro,
- Bildung,
- Pflege und Gesundheit,
- Dienstleistungen und Medien.
Viele Gewerkschaften sind im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zusammengeschlossen. Es gibt aber auch andere.
Im DGB sind acht Gewerkschaften, zum Beispiel:
- ver.di – Dienstleistungen, z. B. Handel, Pflege, Banken, Post, Medien,
- IG Metall – Metall- und Elektroindustrie,
- IG BAU – Bau, Agrar und Umwelt,
- EVG – Eisenbahn und Verkehr,
- GEW – Erziehung und Wissenschaft, z. B. Schulen und Kitas,
- NGG – Nahrung, Genuss und Gaststätten.
Welche Gewerkschaft für Sie zuständig ist, hängt von Ihrer Branche ab.
Gewerkschaft und Betriebsrat – was ist der Unterschied?
Viele verwechseln die beiden:
Die Gewerkschaft
- ist eine Organisation außerhalb der Firma, für viele Firmen einer Branche;
- man wird Mitglied und zahlt einen Beitrag;
- sie verhandelt Tarifverträge und kann zum Streik aufrufen.
Der Betriebsrat
- ist eine Gruppe von Beschäftigten in einer Firma;
- er wird von allen Beschäftigten der Firma gewählt;
- er redet bei Entscheidungen in der Firma mit, z. B. bei Arbeitszeiten oder Kündigungen.
Einen Betriebsrat können die Beschäftigten wählen, wenn die Firma mindestens 5 Beschäftigte hat. Oft arbeiten Betriebsrat und Gewerkschaft eng zusammen.
Ein Blick in die Geschichte
Im 19. Jahrhundert arbeiteten viele Menschen in Fabriken. Die Bedingungen waren oft sehr schlecht:
- sehr lange Arbeitstage,
- wenig Lohn,
- unsichere Arbeitsplätze,
- Kinderarbeit.
Deshalb schlossen sich Arbeiter zusammen. So entstanden die ersten Gewerkschaften.
Merke: Eine Gewerkschaft bündelt die Interessen vieler Beschäftigter. Gemeinsam sind sie stärker als allein.
Wörter
- die Gewerkschaft, die Gewerkschaften
- Eine Organisation von Arbeitnehmern, die ihre Interessen vertritt.
- der Arbeitnehmer, die Arbeitnehmer / die Arbeitnehmerin, die Arbeitnehmerinnen
- Eine Person, die für einen Arbeitgeber arbeitet und dafür Lohn bekommt.
- der Arbeitgeberverband, die Arbeitgeberverbände
- Ein Zusammenschluss von Firmen, der mit den Gewerkschaften verhandelt.
- die Interessen vertreten
- Für die Wünsche und Rechte anderer sprechen und handeln. Die Gewerkschaft vertritt die Interessen der Beschäftigten.
- die Mitbestimmung
- Die Beschäftigten reden bei Entscheidungen in der Firma mit.
- verhandeln
- Miteinander sprechen, um eine Lösung zu finden, mit der beide Seiten einverstanden sind.
- der Tarifvertrag, die Tarifverträge
- Ein Vertrag zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern mit Regeln zu Lohn, Arbeitszeit und Urlaub.
- verbindlich
- Man muss sich daran halten. Der Tarifvertrag ist verbindlich.
- der Streik, die Streiks
- Die Beschäftigten hören für eine Zeit auf zu arbeiten, um ihre Forderungen durchzusetzen.
- streiken
- An einem Streik teilnehmen. Die Busfahrer streiken heute.
- der Warnstreik, die Warnstreiks
- Ein kurzer Streik während der Verhandlungen.
- das Streikgeld
- Geld, das Gewerkschaftsmitglieder während eines Streiks von ihrer Gewerkschaft bekommen.
- der Mitgliedsbeitrag, die Mitgliedsbeiträge
- Das Geld, das Mitglieder jeden Monat an die Gewerkschaft zahlen.
- der Rechtsschutz
- Hilfe bei rechtlichem Streit, z. B. eine Vertretung vor Gericht.
- die Branche, die Branchen
- Ein Bereich der Wirtschaft, z. B. Bau, Pflege oder Handel.
- der Betriebsrat, die Betriebsräte
- Eine Gruppe von Beschäftigten, die in einer Firma gewählt wird und die Kollegen vertritt.
- die Koalitionsfreiheit
- Das Recht, sich in Gewerkschaften und Verbänden zusammenzuschließen. Es steht im Grundgesetz.
Fragen zum Text
Tippen Sie auf eine Frage, um die Antwort zu sehen.
Was ist eine Gewerkschaft?
Eine Organisation von Arbeitnehmern, die ihre gemeinsamen Interessen gegenüber den Arbeitgebern vertritt.
Warum sind Arbeitnehmer in einer Gewerkschaft stärker?
Eine einzelne Person hat wenig Einfluss. Viele gemeinsam können besser mit dem Arbeitgeber verhandeln.
Nennen Sie drei Ziele von Gewerkschaften.
Zum Beispiel: faire Bezahlung, gute Arbeitszeiten, sichere Arbeitsplätze, Mitbestimmung im Betrieb.
Was ist ein Tarifvertrag?
Das Ergebnis von Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern. Er regelt z. B. Lohn, Arbeitszeit und Urlaub und ist verbindlich.
Was passiert bei einem Streik?
Die Beschäftigten legen für eine Zeit die Arbeit nieder, um Druck auf die Arbeitgeber zu machen. Das ist nur unter rechtlichen Voraussetzungen erlaubt.
Wobei helfen Gewerkschaften ihren Mitgliedern?
Sie beraten und unterstützen sie, z. B. bei Fragen zur Bezahlung, zur Arbeitszeit oder bei einer Kündigung.
Warum entstanden im 19. Jahrhundert die ersten Gewerkschaften?
Die Bedingungen in den Fabriken waren schlecht: lange Arbeitstage, wenig Lohn, unsichere Arbeitsplätze und Kinderarbeit. Darum schlossen sich die Arbeiter zusammen.