Kurz gesagt
- Melden Sie sich sofort krank – am ersten Krankheitstag vor Arbeitsbeginn.
- Dauert die Krankheit länger als 3 Kalendertage, brauchen Sie eine Krankschreibung vom Arzt. Der Arbeitgeber darf sie auch schon ab dem 1. Tag verlangen.
- Der Arbeitgeber zahlt Ihren Lohn bis zu 6 Wochen weiter – wenn Sie dort schon mindestens 4 Wochen arbeiten.
- Danach zahlt die Krankenkasse Krankengeld.
- Werden Sie im Urlaub krank, zählen die Krankheitstage mit Attest nicht als Urlaub.
Warum es Regeln gibt
Wer krank ist, kann nicht arbeiten. Damit Sie dann nicht ohne Geld dastehen, gibt es das Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG). Es sichert Ihr Einkommen, wenn Sie krank sind.
Wichtig ist aber: Sie müssen die Regeln kennen und einhalten. Wer sie nicht beachtet, kann Ärger bekommen – im schlimmsten Fall eine Abmahnung oder sogar die Kündigung.
Achten Sie auf das Wort: Es heißt Entgeltfortzahlungsgesetz. Entgelt ist ein anderes Wort für Lohn oder Gehalt. Im Alltag sagt man auch Lohnfortzahlung.
Pflicht 1: Sofort Bescheid sagen (Anzeigepflicht)
Wenn Sie krank sind, müssen Sie Ihren Arbeitgeber unverzüglich informieren:
- dass Sie nicht arbeiten können (arbeitsunfähig sind) und
- wie lange das wahrscheinlich dauert.
Unverzüglich heißt: ohne unnötiges Warten. Normalerweise also am ersten Krankheitstag vor Arbeitsbeginn. Sie können anrufen, eine E-Mail oder eine Nachricht schreiben – wenn im Betrieb nichts anderes vereinbart ist.
Pflicht 2: Die Krankschreibung (Nachweispflicht)
- Dauert die Krankheit länger als 3 Kalendertage, brauchen Sie eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU, auch „Krankschreibung“ oder „Attest“).
- Sie muss spätestens am folgenden Arbeitstag vorliegen – also am 4. Tag.
- Achtung: Der Arbeitgeber darf die Bescheinigung auch schon ab dem 1. Krankheitstag verlangen. Einen besonderen Grund braucht er dafür nicht.
Die elektronische Krankschreibung (eAU)
Seit 2023 gibt es die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU):
- Die Arztpraxis schickt die Krankschreibung direkt an Ihre Krankenkasse.
- Ihr Arbeitgeber holt sie dort elektronisch ab.
- Sie müssen dem Arbeitgeber also keinen Zettel mehr bringen.
Aber: Sich selbst krankmelden müssen Sie trotzdem – und zwar sofort. Und Sie müssen rechtzeitig zum Arzt gehen.
- Die eAU gilt für Menschen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Wer privat versichert ist, bekommt weiter eine Bescheinigung auf Papier und muss sie selbst abgeben.
- Dauert die Krankheit länger als auf der Krankschreibung steht, brauchen Sie eine neue Krankschreibung.
Lohn bei Krankheit (Entgeltfortzahlung)
- Ihr Arbeitgeber zahlt Ihr volles Gehalt weiter – bis zu 6 Wochen (42 Tage) pro Krankheit.
- Voraussetzung: Sie arbeiten schon mindestens 4 Wochen ohne Unterbrechung in der Firma.
- In den ersten 4 Wochen eines neuen Jobs zahlt der Arbeitgeber also noch nichts. Dann bekommen Sie meistens Krankengeld von der Krankenkasse.
- Sind Sie länger als 6 Wochen krank, zahlt ebenfalls die Krankenkasse Krankengeld.
- Das Krankengeld ist 70 Prozent vom Bruttolohn, aber höchstens 90 Prozent vom Nettolohn. Es ist also weniger als Ihr normaler Lohn.
- Für dieselbe Krankheit gibt es Krankengeld höchstens 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren.
- Ihr Kind ist krank? Für Kinder unter 12 Jahren gibt es Kinderkrankengeld von der Krankenkasse (90 Prozent vom ausgefallenen Netto). Im Jahr 2026 gilt: bis zu 15 Arbeitstage pro Kind und Elternteil, für Alleinerziehende bis zu 30 Tage. Dafür brauchen Sie eine Bescheinigung vom Kinderarzt.
Krank im Urlaub
Werden Sie im Urlaub krank, gehen Ihnen die Urlaubstage nicht verloren – wenn Sie ein ärztliches Attest haben, und zwar ab dem ersten Krankheitstag. Die Krankheitstage werden dann nicht als Urlaub gezählt. Sie bekommen sie zurück.
Melden Sie sich auch im Urlaub sofort beim Arbeitgeber krank. Den Urlaub dürfen Sie aber nicht einfach um die Krankheitstage verlängern – sprechen Sie das mit dem Arbeitgeber ab.
Wie verhalte ich mich, wenn ich krank bin?
Sie müssen sich „genesungsfördernd“ verhalten. Das heißt: Sie dürfen nichts tun, was Ihre Heilung verzögert.
- Nicht erlaubt: Mit Grippe und Fieber auf eine Party gehen. Das kann eine Abmahnung zur Folge haben.
- Meistens erlaubt: ein Spaziergang an der frischen Luft, Einkaufen oder ein Arztbesuch – solange der Arzt es nicht verbietet.
Es gibt also keine strenge Bettruhe. Entscheidend ist: Hilft es der Heilung oder schadet es ihr?
Mehr dazu, was eine Abmahnung ist, lesen Sie im Artikel Abmahnung im Job.
Wörter
- krank sein / arbeitsunfähig sein
- So krank sein, dass man nicht arbeiten kann.
- die Arbeitsunfähigkeit
- Der Zustand, wenn man wegen Krankheit nicht arbeiten kann.
- das Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG)
- Das Gesetz, das regelt, dass der Arbeitgeber bei Krankheit den Lohn weiterzahlt.
- das Entgelt
- = der Lohn, das Gehalt.
- die Entgeltfortzahlung / die Lohnfortzahlung
- Der Arbeitgeber zahlt den Lohn weiter, obwohl man krank ist.
- sich krankmelden
- Dem Arbeitgeber sagen, dass man krank ist. Ich habe mich heute früh krankgemeldet.
- die Anzeigepflicht
- Die Pflicht, dem Arbeitgeber sofort zu sagen, dass man krank ist.
- unverzüglich
- Sofort, ohne unnötiges Warten.
- die Nachweispflicht
- Die Pflicht, die Krankheit mit einer Bescheinigung vom Arzt zu beweisen.
- die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU)
- Die Bescheinigung vom Arzt, dass man nicht arbeiten kann. Man sagt auch Krankschreibung.
- das Attest, die Atteste
- Eine Bescheinigung vom Arzt.
- die Krankschreibung, die Krankschreibungen
- = die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Der Arzt hat mich für eine Woche krankgeschrieben.
- die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)
- Die Krankschreibung, die die Arztpraxis direkt an die Krankenkasse schickt.
- das Krankengeld
- Geld von der Krankenkasse, wenn der Arbeitgeber keinen Lohn mehr zahlt.
- der Kalendertag, die Kalendertage
- Jeder Tag im Kalender, auch Samstag, Sonntag und Feiertag.
- genesen
- Wieder gesund werden. Gute Besserung – genesen Sie schnell!
- genesungsfördernd
- So, dass man schneller gesund wird.
Fragen zum Text
Tippen Sie auf eine Frage, um die Antwort zu sehen.
Verständnis
Welches Gesetz sichert Ihr Einkommen, wenn Sie krank sind?
Das Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG).
Was bedeutet „unverzüglich“ bei der Krankmeldung?
Ohne unnötiges Warten – normalerweise am ersten Krankheitstag vor Arbeitsbeginn.
Wann muss die Krankschreibung spätestens vorliegen?
Wenn die Krankheit länger als 3 Kalendertage dauert: spätestens am folgenden Arbeitstag.
Welches besondere Recht hat der Arbeitgeber bei der Krankschreibung?
Er darf die Krankschreibung schon ab dem 1. Krankheitstag verlangen – ohne besonderen Grund.
Was hat sich 2023 mit der eAU geändert?
Die Arztpraxis schickt die Krankschreibung direkt an die Krankenkasse, und der Arbeitgeber ruft sie elektronisch ab. Krankmelden müssen Sie sich aber weiterhin selbst.
Wie lange zahlt der Arbeitgeber bei Krankheit den Lohn weiter?
Bis zu 6 Wochen (42 Tage).
Welche Voraussetzung gilt dafür?
Sie arbeiten schon mindestens 4 Wochen ohne Unterbrechung in der Firma.
Was passiert mit Urlaubstagen, wenn Sie im Urlaub krank werden?
Mit einem Attest ab dem ersten Krankheitstag werden die Krankheitstage nicht als Urlaub gezählt.
Dürfen Sie das Haus verlassen, wenn Sie krankgeschrieben sind?
Ja, wenn es der Heilung nicht schadet – zum Beispiel für einen Spaziergang, zum Einkaufen oder zum Arzt. Eine Party mit Grippe ist dagegen nicht erlaubt.
Richtig oder falsch?
Es reicht, sich erst nach dem Mittagessen krankzumelden.
Falsch. Die Krankmeldung muss unverzüglich kommen, normalerweise vor Arbeitsbeginn.
Der Arbeitgeber darf schon ab dem ersten Tag ein Attest verlangen.
Richtig.
Die Lohnfortzahlung dauert höchstens 6 Monate.
Falsch. Sie dauert höchstens 6 Wochen.
In den ersten 4 Wochen im neuen Job zahlt der Chef bei Krankheit keinen Lohn.
Richtig. Dann bekommen Sie meistens Krankengeld von der Krankenkasse.
Wer im Urlaub krank wird und ein Attest hat, bekommt die Tage gutgeschrieben.
Richtig.
Wenn Sie krank sind, ist alles erlaubt, was die Heilung nicht behindert.
Richtig.